Was du verpasst, wenn du keine feministischen Pornos kennst

Feminismus und Porno, geht das überhaupt zusammen? Ja, das geht – und du solltest es unbedingt ausprobieren!

Feministische Pornos sind keine Liebesfilme

Falls du noch stark in Geschlechternormen denkst (hey, das kommt in den besten Familien vor), erwartest du bei dem Stichwort ”feminist porn” vermutlich viel Handlung, Kuschel-Sex und Liebesgeschichten. Falsch! Feministische Pornografie ist genauso dreckig, heiß und versaut wie deine liebsten Mainstream-Klassiker.

Feministische Pornografie stellt dabei aber weibliche Lust in den Mittelpunkt und könnte als eine Unterkategorie von Sex-positivem Porno betrachtet werden. Das sind Produktionen, die unter anderem auf Darsteller als selbstbestimmte Individuen und verschiedene sexuelle Identitäten Wert legen. Dabei wird es ganz und gar nicht langweilig.

Im Gegenteil: Es gibt Strap-Ons, Analverkehr, BDSM, Gruppensex, Homo- und Transsex, Rollenspiele, Dirty Talk und natürlich 1001 Nahaufnahmen von Genitalien. Die Darsteller sind ebenso vielfältig wie die gezeigten Praktiken. Du kannst die gut gebaute Blondine und den durchtrainierten Handwerker beim Rohrverlegen beobachten oder – etwas ausgefallener – der im Rollstuhl sitzenden, lesbischen Domina zuschauen, wie sie einen rothaarigen Call-Boy vermöbelt. Keine Angst, es ist genug für alle da.

Bild via Pixabay

Eine spannende Erfahrung

Solltest du also nicht allein wegen der Bezeichnung “feministisch“ schon die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und “Jetzt machen die mir auch noch meine Pornos kaputt!“ in die kalte Herbstluft hinausbrüllen, wird es Zeit in die aufregende und abwechslungsreiche Welt des Alternativ-Pornos abzutauchen. 

Wenn du allerdings nicht gezielt nach feministischer und/oder sex-positiver Pornografie sucht, wirst du sie nicht finden. Doch die Mühe lohnt sich. Ich habe hier schon mal ein paar Tipps für dich:

Für sex-positive Anfänger – Jennifer Lyon Bell

Jennifer Lyon Bell ist eine Produzentin, die ihren eigenen Stil als “emotional realistic“ bezeichnet. Ihre Filme sind wie gut produzierte Home-Videos deiner besten Freunde, bei denen man hier Cellulite und da Achsel- und Schamhaare sieht, ohne dass die Gesamtästhetik für einen unvorbereiteten Zuschauer darunter leidet. Ideal, um einen ersten Vorstoß auf dem Gebiet vorzunehmen. 

Für Freunde der LGBT-Szene – Goodyn Green

Goodyn Green betont immer wieder, dass sie als lesbische Künstlerin wahrgenommen werden möchte und ihre Filme und Fotografien die weibliche Lust in all ihren Facetten feiern. So drehte sie zum Beispiel einen Pornofilm mit einer Hochschwangeren oder schoss eine Fotoserie mit androgynen, queeren Frauen in Männerkleidung. Wer authentische Szenen lesbischer Liebe und Lust sucht, ist bei ihr gut aufgehoben.

Für die Kunstliebhaber mit Lederpeitsche – Gala Vanting

Vantings Filme sind irgendwo zwischen Dokumentation, Kunst und Hardcore. Da ihre Arbeit vor allem innerhalb der BDSM-Szene spielt, gibt es viele eingeschnürte Körper und Blutspuren zu sehen. Die DarstellerInnen bringen außerdem unglaublich viel eigene Ideen, Texte und sexuelle Phantasien ein. Das richtige für BDSM-Fans, die das Klischee der von der Decke baumelnden Asiatin satt haben. 

Für die, die es ausgefallen mögen – Buck Angel

Buck Angel “The Man with Pussy Power“ ist ein Trans-Mann, der bereits seit über zehn Jahren Pornografie mit Betonung auf Frau-zu-Mann-Transsexualität produziert und selbst in seinen Filmen mitspielt. Den ersten Porno drehte er allein mit einer Handkamera und einer Tüte voll Sexspielzeug bewaffnet, weil kein Mainstream-Darsteller mit ihm arbeiten wollte. Inzwischen produziert er Filme, die sehr an den Stil der Mainstream-Pornos erinnern und trotzdem sex-positiv und feministisch inspiriert sind.

Für alle – Jiz Lee

Jiz Lee ist eine queere Pornodarstellerin, die betont nicht als Mann oder Frau wahrgenommen werden möchte. Ihre Filme sind vielfältig und entstehen nur mit Produzenten und Darstellern, die Jiz’ Idee von sex-positivem und feministischem Porno verstehen und umsetzen. Sie veröffentlicht selbst Texte rund um das Thema, die man ganz gediegen lesen kann, nachdem man ihr beim Vögeln zugeschaut hat.

PorYes

Und wie es sich für einen anständigen Zweig der Porno-Branche gehört, gibt es natürlich auch Preisverleihungen – den PorYes Award, der vergangenes Wochenende in Berlin vergeben und gefeiert wurde. Der PorYes Award geht seit 2009 an Menschen, die als DarstellerInnen oder ProduzentInnen für feministische und sex-positive Filme einstehen.

Die Vergabe erfolgt durch eine Jury, der auch die Initiatorin Laura Méritt beisitzt. Der diesjährige Award stand unter dem zentralen Thema “Trans“ und kürte vor allem Vertreter der Szene, die mit ihrer Arbeit bestehende normative Grenzen zu überschreiten versuchen. 

Also worauf wartest du?

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Titelbild via pixabay.com

Dieser Artikel ist Teil unseres Ressorts Feeling, in dem sich alles um Liebe, Gefühle, Freundschaft und Sex dreht. So wie in diesen Artikeln: