Warum Fleischersatz für mich die Krone der Lebensmittelindustrie ist

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Claudia Haessy

Im Gegensatz zu Anna bin ich der Ansicht, dass Fleischersatz ein köstliches Geschenk der Nahrungsmittelindustrie an uns ist.

Ich bin der schlechteste Vegetarier der Welt

Denn ich liebe Fleisch. Den Geschmack von frischen, fluffigen Frikadellen. Den Geruch von hausgemachter, dampfender Bolognese. Das knackende Geräusch, wenn man nach einer durchzechten Nacht in eine Thüringer mit Senf reinbeisst.

Ich. Liebe. Es.

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Aber ich will nicht, dass etwas oder jemand leiden oder sterben muss, nur damit meine Geschmacksknospen eine Runde masturbieren können. Ist ja nicht so, als wenn ich nicht auch ohne totes Tier an meine Kalorien, meine Ballaststoffe und den anderen Unsinn komme, den mein Körper täglich so braucht.

Allein deswegen esse ich kein Fleisch. Und leide daher an der Frischetheke im Supermarkt wie ein Sexsüchtiger, der jeden Morgen an einem Beate-Uhse-Laden vorbei muss.

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Denn Tofu und das ganze Soja-Gedöns ist nett, schmeckt aber in der Regel wie altes Pappmaché vom wöchentlichen Kirchen-Basteltreff. 

(Und alle, die behaupten, es schmecke gut und man müsse es nur richtig würzen, sind fiese Lügner!)

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Die veganen Produkte, die Milchprodukte ersetzen sollen, sind geschmacklich nicht selten ein Fall für Amnesty International. 

Aber in Sachen Fleischersatz macht die Lebensmittelindustrie riesige Fortschritte und lockt inzwischen mit vegetarischer Mortadella, Schnitzel und anderen Tollheiten.

Und statt sich darüber zu freuen, fängt man in der vegan-orthodoxen Ecke wieder zu maulen an!

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Das ist voll unnatürlich!

„Das ist alles industriell verarbeitet und super-chemisch und weißt du überhaupt, was da drin ist?“ Nein, aber das weiß ich bei meinem Schokopudding mit Sahne ehrlich gesagt auch nicht. 

Außerdem trinke ich jeden Tag ca. fünf Liter Mate und esse drei Kilo Schokolade. Wenn ich also einmal in der Woche mysteriöses Hack aus Mikroproteinen esse, ist das echt mein geringstes Problem.

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Aber das ist doch ungesund!

Woher kommt überhaupt dieser Mythos, allen Vegetariern oder Veganern ginge es um eine gesündere und ausgewogene Ernährung? Ich mag kein Obst. Es ist anstrengend. Man muss es waschen und binnen Tagen verzehren, sonst sieht es komisch aus und schaut einen wochenlang mit vorwurfsvollem, verschimmeltem Blick an, bevor man es wegwirft. Nutella macht so was nicht!

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Und dann diese Nörgler, die meinen, dass dieser ganze Fleischersatz doch auch irgendwie eklig sei. Wie das schon aussehe! Wie echtes Fleisch. Und weil wir ja echtes Fleisch doof finden, finden wir natürlich auch Sachen doof, die wie echtes Fleisch aussehen.

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Bei aller Liebe: Die Oberfläche von Avocados sieht aus, als hätte sie irgendeine galoppierende Geschlechtskrankheit und von der nicht existenten Ästhetik reifer Bananen will ich besser gar nicht erst anfangen. 

Ich soll Menschen doch nicht aufgrund ihres Äußeren verurteilen – warum das beim Essen anders handhaben?

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Mir ist es schlussendlich völlig egal, ob du dir ein vegetarisches Schnitzel aus Milch reinzieht oder lieber eine Runde an deinem Möhrchen knabberst. 

Aber tu doch nicht so, als seien die neuen Fleischersatzprodukte schlechter, ungesünder und hässlicher als der Soja-Cremoso-Apfelstrudel oder die Reis-Haselnuss-Mandel-Milch!

Und wenn du wie Anna meinst, Fleischersatz sei der Saddam Hussein unter den Nahrungsmitteln – dann kann ich dir ohnehin nicht helfen. In diesem Sinne: Guten Appetit!

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Wie stehst du zu Fleischersatz?

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Dieser Artikel ist Teil unseres Ressorts Caring, in dem es um Dinge geht, die unsere Welt besser machen: Konsum, Umweltschutz, Gerechtigkeit, Gesellschaft. So wie in diesen Artikeln: