Orangen

Was jeder über Orangen in Deutschland wissen sollte

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Silka Ribic

Orangen sind lecker und gesund. Gerade in den Wintermonaten finden sie den Weg in unsere Einkaufskörbe, Wohnzimmer und Küchen. Ein frisch gepresster Orangensaft ist doch die Vollendung jedes Frühstücks, oder?

Der Großteil der Orangen, die wir hierzulande verzehren, kommt aus Spanien und Italien. In Italien sind Orangen aber teurer als bei uns. Wie kann das sein?

Dies und ein paar andere aufschlussreiche Dinge solltest du über Orangen in Deutschland wissen. Sie könnten deine Lust auf das nächste Glas frisch gepressten O-Safts dezent mindern, aber du kannst was dagegen tun.

Orangen sind in Deutschland billiger als in anderen EU-Ländern

Deutsche Einzelhandelsketten wollen billig verkaufen. Sie sind so mächtig, dass sie den Bauern den Preis diktieren können.

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35 Kilo Zitrusfrüchte verzehren wir pro Kopf und Jahr

Kaufentscheidungen werden im Supermarkt getroffen. Und dort greifen die Kunden in den allermeisten Fällen doch lieber zu den billigeren Orangen.

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Etwa 13 Cent bekommt der Bauer für ein Kilogramm Orangen

Das heißt, bis zum Verkauf bleiben 0,92 € für den Zwischenhandel und die Discounter. Wer so billig verkaufen muss, der muss auch billig und vor allem viel herstellen/ produzieren. Dies hat überaus negative Folgen, wie beispielsweise den Einsatz von entsprechenden Chemikalien.

Ohne Flüchtlinge in Italien würden deine Orangen vermutlich an den Bäumen hängen bleiben

Vorausgesetzt, dass sie ein Vorarbeiter oder Bauer vom Arbeiter-Straßenstrich, wo sie täglich stehen, abholt und als Tagelöhner engagiert. Pro gepflückter Kiste Orangen bekommen sie 1 Euro Lohn. Dass sie überhaupt ehrlich entlohnt werden, ist nicht unbedingt eine Selbstverständlichkeit. Die Fahrt zur Arbeit kostet sie 3 Euro und Arbeitsverträge gibt es keine.

Die Hand, die deine Orangen erntet, wohnt wahrscheinlich in einem Slum — mitten in Europa

Die ausgebeuteten Flüchtlinge wohnen in Italien teilweise in regelrechten Slums. In notdürftigen Behausungen aus Plastikplanen und Pappe verbringen sie, unter katastrophalen hygienischen Umständen, ihre Zeit abseits der Plantagen. Medizinische Versorgung verirrt sich eher selten dorthin.

Nach den Orangen kommen die Tomaten

Nach der Orangenernte ziehen die Arbeiter weiter Richtung Apulien oder Neapel, um beispielsweise bei der Tomatenernte zu helfen. Dort ergeht es ihnen kaum besser, wie dieses Video von der DW zeigt.

Bild via Deutsche Welle

Du denkst, dies sei ein neues Problem?

Keinesfalls, das Problem ist auf EU-Ebene längst bekannt. Schon 2010 gab es in Rosarno eine gewalttätige Revolte. Hunderte Migranten marschierten durch die Stadt, um gegen die unmenschlichen Bedingungen zu demonstrieren. Es gab mehrere Verletzte. Geändert hat sich seitdem nichts.

Was tun?

Das Kartellamt und diverse andere Stellen sind bereits aktiv. Doch es ist scheinbar nicht so einfach, schnell Änderungen oder Besserung herbeizuführen. Die Interessen der Discounter, Lobby-Organisationen, Bauern und aller anderen Beteiligten unterscheiden sich zu stark.

Vielleicht trinken wir doch lieber Fairtrade-Orangensaft?

Fair-Trade Orangen gibt es, wie uns FAIRTRADE Deutschland mitteilt, aktuell in Deutschland leider nicht, weil die Nachfrage zu gering sei. Was du jedoch dagegen tun kannst, ist deinen Markt schriftlich anzufragen, um somit die Nachfrage zu erhöhen.

Bild via quozio.com

Erfahre mehr über das bittere Geschäft mit den Orangen

Auf Youtube kannst du dir die etwa halbstündige ZDF-Reportage „Ausgepresst und ausgenommen“ ansehen. Außerdem ist dieses Video von Prof. Gilles Reckinger von der Uni Innsbruck zum Thema „Moderne Sklaverei“ äußerst empfehlenswert, um dir ein besseres Bild zu machen.

Je mehr Menschen davon wissen, desto besser.

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Titelbild via Pexels

Dieser Artikel ist Teil unseres Ressorts Caring, in dem es um Dinge geht, die unsere Welt besser machen: Konsum, Umweltschutz, Gerechtigkeit, Gesellschaft. So wie in diesen Artikeln: