Sexworker

Warum es feministisch ist, Sexarbeiterinnen zu unterstützen

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Kati Kürsch

Als Stoya vor einigen Tagen twitterte, dass ihr Ex-Freund und Branchenkollege James Deen sie vergewaltigt hat, spaltete sich das Internet wie so oft in zwei Lager: einerseits grenzenlose Solidarität, ausgedrückt durch #standwithstoya, andererseits grenzenlose Ignoranz, sichtbar in Äußerungen wie „eine Pornodarstellerin kann man doch gar nicht vergewaltigen“. 


Wenig überraschend kamen auch Statements von Feministinnen, die verkündeten, dass Sexarbeit von Haus aus frauenverachtend sei und das Patriarchat stütze. 

Als Feministin vom Dienst erkläre ich dir, warum Sexarbeit und Feminismus sehr wohl zusammenpassen! 

Was ist Sex-Arbeit?

Ich sehe mich als Feministin und daher ist es meine Pflicht, Sexarbeiter aller Geschlechter zu unterstützen. Der Einfachheit halber spreche ich in diesem Text in erster Linie über Frauen*. 

Sexarbeit umfasst nicht nur „klassische“ Prostitution, also Geschlechtsverkehr mit Kunden, sondern beispielsweise auch Telefonsex, die Arbeit als Camgirl oder Pornographie.

Es geht um Entscheidungsfreiheit

Für mich ist ein wesentlicher Bestandteil von Feminismus, die Entscheidungen anderer Frauen* zu respektieren und mich dafür einzusetzen, dass sie überhaupt die Möglichkeit haben, sich für oder gegen etwas zu entscheiden. Auch, wenn ich mich persönlich anders entscheiden würde. 

Das gilt für Kinderbetreuung ebenso wie für Schwangerschaftsabbrüche oder Sexarbeit.

Porno = böse?

Und Pornographie ist aus feministischen Debatten nicht wegzudenken. Ich denke nicht, dass Pornographie an sich immer frauenverachtend und objektifizierend ist, aber die Arbeitsbedingungen in der Pornobranche sind sehr schwierig (s. James Deen). 

Statt, wie von manchen gefordert, Pornographie abzuschaffen – was wohl niemals klappen wird – sollte dafür gesorgt werden, dass an den Sets mehr Wert auf sichere Praktiken und das Wohlbefinden der Darsteller gelegt wird. 

Einen wesentlichen Beitrag dazu können Konsumenten leisten, indem sie für Pornos zahlen.


Not so pretty woman

Ein häufiges Argument gegen Sexarbeit in allen Formen lautet, dass Prostitution niemals freiwillig sein könne und alle, die das Gegenteil behaupten, seien Menschenhändler und unterstützten das Patriarchat.

Mich schüttelt es bei solchen Aussagen. Erst wird Sexarbeiterinnen die Fähigkeit abgesprochen, selbstbestimmt Entscheidungen treffen zu können, und dann werden Opfer von Menschenhandel instrumentalisiert, um die eigene Argumentation zu untermauern.

Kein Widerspruch

Nein. Sich dafür einzusetzen, dass eine Personengruppe sichere Arbeitsbedingungen hat, widerspricht nicht dem Streben nach einer besseren Verfolgung von Menschenhändlern und mehr Hilfsangeboten für Zwangsprostituierte.

Beides zielt darauf ab, Menschen zu schützen und sie selbst über ihr Leben bestimmen lassen zu können.

Geschützter Geschlechtsverkehr?

Das funktioniert aber nicht mit einer Gesetzgebung, die es für Sexarbeiterinnen schwierig macht, ihren Beruf auszuüben, ohne negative Konsequenzen fürchten zu müssen.

Bald soll das Prostitutionsschutzgesetz verabschiedet werden, was auf den ersten Blick ja recht nett klingt, aber verheerende Konsequenzen für Sexarbeiterinnen in Deutschland haben kann. 

Denn die mit dem Gesetz eingeführte Anmeldepflicht und die damit verbundene Aufnahme in eine Datenbank können dazu führen, dass die angemeldeten Frauen sich erpressbar machen, weil an Sexarbeit immer noch ein gewaltiges Stigma hängt.

Das einzig Gute am Gesetzesentwurf: Die Vorstellung, wie Mitarbeiter des Ordnungsamts die Einhaltung der Kondompflicht überprüfen.

Darum:

Es gibt Sexarbeiterinnen, die ihren Job sehr gerne ausüben und für die keine Alternative in Frage kommt.

Es gibt jedoch ebenso Sexarbeiterinnen, die lieber etwas anderes arbeiten würden, aber aus unterschiedlichen Gründen bei der Sexarbeit bleiben.

Dass nicht jeder seinen absoluten Traumjob hat, ist in anderen Branchen doch auch so – warum soll es ausgerechnet bei Sexarbeit anders sein? Die Ausgrenzung von Sexarbeiterinnen macht ihre Arbeit automatisch schwieriger.

Und wie genau passt das bitte mit Feminismus zusammen?

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Bild via Giphy

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Dieser Artikel ist Teil unseres Ressorts Caring, in dem es um Dinge geht, die unsere Welt besser machen: Konsum, Umweltschutz, Gerechtigkeit, Gesellschaft. So wie in diesen Artikeln: