Wie du Nazis kritisierst, ohne selbst ein Arschloch zu sein

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Kati Kürsch

Dein alter Schulfreund/ Onkel/ Arbeitskollege/ One-Night-Stand Erich teilt via Facebook mal wieder seinen Frust über die Lage der Welt: Alles ist schlimm (okay, da nickst du sogar) und diese Flüchtlinge überfluten sein schönes Deutschland, wer soll das denn alles bezahlen, christliche Werte, importierter Islamismus, Ausländerkriminalität, „die werden sich nie integrieren!“, das könne sich kein guter Deutscher gefallen lassen.

Das ist der x-te solche Beitrag, der dir in den letzten Wochen über den virtuellen Weg gelaufen ist, und bisher konntest du Diskussionen widerstehen. Heute aber nicht. Bloß wie geht man das richtig an?

Arschlöcher rechtfertigen kein Arschlochverhalten

Nazis, „Ich bin ja kein Rassist, aber...“-Menschen und besorgte Bürger passen alle wunderbar in die riesengroße Arschlochschublade. Nicht etwa, weil sie eine andere Meinung vertreten, sondern weil sie
a) sich für etwas Besseres und bestimme Gruppen für minderwertig halten,
b) ernsthaft glauben, sie können sich was auf Goethe und Schiller einbilden und
c) so kleine Nebenaspekte des Grundgesetzes wie den Anspruch auf Asyl für irrelevant halten.

An sich klingt das alles ziemlich ätzend. Doch sind diese Arschlöcher es wirklich wert, sich auf ihr Niveau herabzulassen? Wohl kaum.

Content is King

Mindestens genauso oft wie rassistische Kommentare und Posts sieht man Antworten darauf, die sich nicht mit dem Inhalt auseinandersetzen – sondern wirken, als hätte jemand seinen inneren Deutschlehrer mal raus gelassen. Klar kann man sich über Rechtschreib- und Grammatikfehler lustig machen. Es führt leider nur bestenfalls dazu, dass man den Anschein erweckt jemand zu sein, der sich für etwas Besseres hält (hatten wir das nicht vorhin irgendwo?) und schlimmstenfalls stachelt man den beleidigten Nazi weiter an. 

Wenn der Nazi an sich bereits ein ungemütlicher Zeitgenosse ist, ist der beleidigte Nazi, der sich von Bildungssystem, Wirtschaft und Gesellschaft abgehängt und als Versager fühlt, fast schon gefährlich, da das zu Radikalisierung führen kann. Daher: Wenn man sowieso schon diskutiert, könnte man ja auf den Inhalt achten.

„Dumm ist der, der Dummes tut“?

Die Hetze von Nazis schulterzuckend als „dumm“ abzutun hilft auch nicht. Einerseits gilt es als ableistisch, Menschen aufgrund ihrer Intelligenz zu beleidigen, weshalb die Bezeichnung „dumm“ schwierig ist. Andererseits wird dabei unter den Tisch gekehrt, dass einige gebildete Menschen in Machtpositionen (hallo, CSU und AfD!) mit ihren Äußerungen zu Rassismus und einer Verschärfung der Lage beitragen, was nicht aus „Dummheit“, sondern Kalkül geschieht. Das weit verbreitete „Nazis sind dumm“ vereinfacht und verharmlost das Problem.

Lookismus gegen Rechts

Ganz besonders beliebt sind Seitenhiebe gegen das Erscheinungsbild des gemeinen Nazis. Mei, dann hat er halt einen Schnauzer, soll er doch. Eine Diskussion darüber, ob Asylbewerber zu viel verlangen, wenn sie in Unterkünften leben möchten, die nicht angezündet werden, könnte ja dazu genutzt werden, Nazis auf ihre menschenverachtenden Aussagen hinzuweisen. Dass Schnurrbärte so 2012 sind, merken sie bestimmt eines Tages von selbst.

Kein Pöbeln gegen den „Pöbel“

So anstrengend Diskussionen im Internet auch sind: Rechte Hetze unkommentiert stehen zu lassen, ist keine Lösung. Pöbeleien können manchmal vielleicht recht spaßig sein, führen aber meistens letzten Endes zu nichts – außer vielleicht dazu, dass die besorgten Bürger noch weiter nach Rechts rutschen und immer mehr Zulauf bekommen, was ja keiner wollen kann. Ruhig zu bleiben ist verdammt schwer, wenn man sieht, was für Parolen verbreitet und wie Ängste geschürt werden. 

Aber wenn sachliche, gut belegte Argumente auch nicht helfen, bleibt nur eins: Selbst aktiv werden und so gut du kannst Asylbewerbern helfen und dich für Integration engagieren, denn auch das gibt Punkte auf der Kein-Arschloch-Skala. Und hilft uns allen.

Zeige deinen Freunden, wie sie mit Rassisten im Netz richtig umgehen

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Titelbild via Kati Kürsch / Pixabay

Dieser Artikel ist Teil unseres Ressorts Caring, in dem es um Dinge geht, die unsere Welt besser machen: Konsum, Umweltschutz, Gerechtigkeit, Gesellschaft. So wie in diesen Artikeln: