Warum gegenderte Produkte absolut bescheuert sind

Wenn du mich fragst, sollte der Begriff Gender Marketing jedem rechts und links um die Ohren geknallt werden, der ihn benutzt. 

Gender Marketing ist das Zuschneiden eines Marketingkonzeptes auf das Geschlecht der gewünschten Zielgruppe. Was im eingeschränkten Kosmos der meisten Verantwortlichen heißt: auf Männer oder auf Frauen. 

So passiert es dann, dass ein Produkt sowohl in dunkelblauer Verpackung mit technischer Beschreibung, als auch im pinken Blumendöschen angeboten wird. 

Ich höre schon den Aufschrei: „Aber es funktioniert doch!“ 

Die Frage ist für mich aber nicht, ob damit gut und schnell Produkte verkauft werden können, sondern inwiefern es vertretbar ist, Verpackungen (und auch Preise) auf Geschlechter zuzuschneiden. 

Selbstverständlich gibt es verschiedene Möglichkeiten, Geschlechterstereotype zu manifestieren und als natürlich gegeben hinzustellen – freie Wirtschaft und Werbung leisten aber definitiv einen Großteil der Arbeit. 

Die Indoktrinierung 

Am stärksten nutzen Marketingabteilungen eine geschlechtsspezifische Ansprache, wenn es um Kinder geht. 

Das damit Stereotype nicht nur erhalten, sondern den kommenden Generationen geradezu aufgezwungen werden, scheint kaum zu stören. Oder gibt es einen wirklich guten Grund dafür, warum es neben dem normalen Überraschungs-Ei (jetzt für Jungs) auch eine Mädchen-Version in pink geben muss? Eben! 

Bild via tumblr.com

Die Manifestation

Nachdem die Kinder brav nach Geschlechtern getrennt genascht und gespielt haben, kommen sie irgendwann in die Pubertät. Zu diesem Zeitpunkt hat der Großteil von ihnen den klaren Stempel „Junge“ oder „Mädchen“ verpasst bekommen – bestärkt durch Kleidung, Spielzeugwahl und dem Verhalten, dass Erwachsene ihnen entgegenbringen. 

Ich werde sie ab hier weiblich und männlich Sozialisierte nennen, denn bisher hat keiner die lieben Kleinen gefragt, welchem Geschlecht sie sich selbst zugehörig fühlen. Muss man auch nicht, steht ja in der Geburtsurkunde, nicht wahr, liebe Eltern?

Als Jungen sozialisierte Kinder haben bis hierhin vor allem gelernt, sich mit Boxen durchsetzen und sich über körperliche Leistungen zu beweisen. Als Mädchen sozialisierte Kinder haben gelernt, sich zurückzunehmen, brav, ruhig und gefügsam zu sein. 

Jedes Individuum in die Jungs- oder Mädchen-Schublade quetschen zu wollen, erscheint vielen als sinnvoll. Wer Gleichberechtigung aber konsequent umsetzen will, sollte eben nicht nach Geschlechtern getrennt denken und handeln. 

Vor allem, da die Aufteilung in Männer und Frauen als EINZIGE Geschlechter als überholt gelten darf.

Gegenderte Kleidung, Spielzeuge und Süßigkeiten vermitteln den Eindruck, zu einer der Gruppen gehören zu MÜSSEN und dann an den Interessen, Bedürfnissen oder Privilegien der anderen nicht mehr partizipieren zu dürfen. Absolut unnötig! 

Die Ernte

Und nachdem alle jetzt klar gesagt bekommen haben, wie sie sich zu geben, verhalten, anzuziehen und gesellschaftlich einzuordnen haben, kann auch schon der Profit abgeschöpft werden. 

Den männlich sozialisierten Bürgern drehen Firmen die blauen Rasierer mit vier Klingen und Düsenjet-Technologie an. Weiblich Sozialisierten erklärt man vor allem, dass der pinke Rasierer ihre wunderschönen, sexy Beine besser zur Geltung kommen lässt. So fängt man sich auch leichter einen Ehemann, Ladys! 

Dass es am Ende das gleiche Produkt mit unterschiedlichem Design (und Preis) ist, ist ja egal, solange der Umsatz stimmt. 

Die Leidtragenden

Das Wichtigste zuerst: Diese Aufteilung der Produkte in männlich und weiblich ist ein Schlag ins Gesicht all derjenigen, die sich eben NICHT mit ihrem biologischen Geschlecht identifizieren können. 

Vielleicht finde ich pink und lila kackenhässlich. Vielleicht interessiert mich vielmehr aus wie vielen fancy Schichten mein Profi-Küchenmesser gemacht ist. Und vielleicht will ich auch überhaupt nicht darüber nachdenken müssen, welche Version jetzt die vermeintlich richtige für mich wäre. 

Dieser Wahn, alles in weiblich und männlich unterteilen zu müssen ist sinnlos, kontraproduktiv, fies und einfach Blödsinn. Besonders dann, wenn die weibliche Version pink und die Standard-Variante die männliche ist. 

Oder denkt irgendjemand, dass es weiblich sozialisierte Kinder überfordert mit einem echten Globus zu arbeiten? Ich bitte euch ... 

Diese Unterteilung vermittelt allzu oft zwei vermeintliche Weisheiten unserer Gesellschaft: 

  1. „Achtung lieber männlichen Mitbürger, das hier ist ein Produkt, das nur für Vagina-Trägerinnen gedacht ist. Wenn du es anfasst, fällt dir der Penis ab. Alarm! ALARM!“
  2. Männer lieben es praktisch, sinnvoll, wissenschaftlich durchdacht. Für Frauen reicht es, wenn es hübsch aussieht. Komisch. Das ist genau das Klischee, dass wir auch mit diesen Geschlechtern im Alltag verbinden und weshalb Männer im Job bevorzugt werden, während man ihren Kolleginnen Styling-Tipps erteilt. 

Die Ungerechtigkeit

Und als ob das alles nicht schon ärgerlich genug wäre, reicht das Gendern der Verpackungen den meisten MarketingmitarbeiterInnen noch nicht. Sie müssen auch die Preise an die Geschlechter anpassen. 

Frauen dürfen vor allem für Pflege- und Kosmetikprodukte gleicher Hersteller gerne mal etwas tiefer in die Tasche greifen – ein Phänomen, das auch als Pink Tax bekannt ist. 

Während dem vielbeschäftigten Mann Shampoo, Duschgel, Bodylotion, Rasierschaum, Gleitgel und Massageöl in einem einzigen Produkt versprochen wird, erzieht man außerdem Konsumentinnen zum Kaufen ganzer Pflegereihen, bei denen jedes Produkt seine eigenen magischen Kräfte entfalten soll. 

Der Widerstand

Keiner zwingt mich, die rosa Produkte zu kaufen? Verdammt richtig! Darum tue ich das auch nicht mehr. Muhaha!

Außerdem möchte ich jeden ermutigen, der sich nicht dem Klischee seines biologischen Geschlechtes verpflichtet fühlt oder auf den Mythos von Mann und Frau verzichten kann, es mir gleich zu tun. Denn wenn es etwas gibt, womit du Marketing-Abteilungen verrückt machen kannst, dann damit, ihre geliebten Prognosen und Zahlen durcheinanderzubringen. 

Wir treiben sie mit unerwartetem Kaufverhalten in den Wahnsinn. Sie haben es nicht anders gewollt. Das wird super! 

Kläre deine Freunde über diesen pinken Blödsinn auf!

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Titelbild via Pixabay.com

Dieser Artikel ist Teil unseres Ressorts Caring, in dem es um Dinge geht, die unsere Welt besser machen: Konsum, Umweltschutz, Gerechtigkeit, Gesellschaft. So wie in diesen Artikeln: