Wieso ich von Game of Thrones die Schnauze voll habe

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Claudia Haessy

Die haessyliche Wahrheit über: Game of Thrones

[Achtung. Dieser Artikel erhält viel Frust und noch mehr Spoiler!]

Wenn ich sage, „Game of Thrones“-Gucker müssen leidensfähig sein, ist das vermutlich nichts Neues. Spätestens als am Ende der ersten Staffel Ned Starks Köpfchen auf einem Speer hin und her wippte, war klar: Irgendwas läuft hier schief.

Denn George R. R. Martin ist nichts heilig und niemand tötet seine Charaktere mit derartiger Hingabe wie er. Das war bis zu einem bestimmten Punkt auch in Ordnung. Es war ja die Unberechenbarkeit, die die Serie so sehenswert machte: Von Beginn an wurde munter gestorben und die meisten Ableben konnte man auch verschmerzen.

The Red – WHAT THE FUCK DID JUST HAPPEN?

Dann kam die dritte Staffel. Und obwohl wir es alle vorher wussten, saßen wir während des Massakers von „The Red Wedding“ da, zuckend und kreischend und schimpfend

Ich möchte gar nicht wissen, wie viele Therapeuten sich in den Monaten danach mit traumatisierten Serienguckern rumschlagen mussten.

Und als wäre man sich dieses Umstandes bewusst gewesen, wurden wir anschließend von einer, nun, nennen wir es „karmischen Ausgewogenheit“ überrascht: Wer wurde bei der Zombisierung (ja, das Wort habe ich gerade erfunden) des Berges oder beim Tod des Hundes nicht mit schadenfrohem Verzücken erfüllt? Wem lief nicht ein wohliger Schauer über den Rücken, als Lysa Arryn durch dieses tolkienhafte Loch im Boden segelte?

Womit wir auch bei der Zweifaltigkeit der willkommenen Todesfälle ankommen: Die Mitglieder der Happy Inzest Family Tywin und Joffrey. Hip Hip Hurra!

Fast war man wieder ein wenig versöhnt mit George R. R. Martin. Fast.

Todes-Flatrate

Denn mit der 5. Staffel erreichte das Gemetzel einen nie da gewesenen Höhepunkt. Auch, wenn man ein wenig vor Freude gluckste, als Psycho-Myranda wie ein Sack Mehl von der Mauer auf den Steinboden plumpste, gleicht diese Staffel eine einzige Todes-Flatrate. Frei nach dem Motto „Kann das weg?“ – als wären Charaktere überreifes Obst, bei dem man weiß, dass man es eh nicht mehr isst.

Aber muss man deswegen Kinder verbrennen (Shireen Baratheon), unschuldig dreinblickende Blondinen vergiften (Myrcella Baratheon) und alle sympathischen Nebendarsteller krepieren lassen, die nicht bei drei in Bravos sind?

Von Sansas mehrfacher Vergewaltigung, Aryas Erblindung und [atmet hysterisch in eine Papiertüte] Jon Snows Ermordung will ich gar nicht erst anfangen.

Bleibt nur noch Ramsay Bolton, der sich fröhlich durch Westeros häutet und aktuell dermaßen viel Spaß hat, dass selbst Hitler es abstoßend fände.

UND DAHER: ES REICHT!

Nur weil ich zehn Jahre lang jeden Tag „Verbotene Liebe“ gesehen habe, hat meine Leidensfähigkeit durchaus Grenzen. Ich bin kein Masochist!

Ich habe in dieser Staffel nur gelitten! In jeder einzelnen Folge. Ich habe geflucht. Dinge durch die Wohnung geschmissen. Fotos von Ramsey Bolton ausgedruckt, um sie anzuspucken. Ich habe mehr Rotwein getrunken, als Tyrion Lannister in seinem gesamten Leben.

Am Ende war ich ein Wrack. Gebrochen. Mein ohnehin begrenzter Vorrat an Mitleid und Empathie komplett aufgebraucht. Meine Sitzungen beim Psychiater für Jahre mit Inhalt versorgt.

Und mir hilft die Aussicht, dass vielleicht dieser oder jener auferstandene Protagonist am Ende vergnügt durch Königsmund hüpfen wird, auch überhaupt nicht. Mehr noch: Es ist mir schnurzpiepegal. Und wenn alle in der letzten Folge Händchen haltend um den Christbaum tanzen und lachend Kumbaya singen – I don’t care!

Ich bin fertig mit dieser Serie. (Zumindest bis ich weiß, wie sie ausgeht...)

Wirst du die Serie weiter gucken?

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