Brief an dein nüchternes Ich von morgen früh

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Lisa Budzynski

Liebes Ich von morgen früh, 

hier ist dein sturzbetrunkenes, nächtliches Ich. Du fragst dich bestimmt, warum ich dir schreibe. Ich will mich bei dir entschuldigen. Echt jetzt. Von ganzem Herzen. Und weil du, liebes nüchternes Zukunfts-Ich, vermutlich nichts mehr von allem weißt, möchte ich dir es erklären. Also, das war so:

Es begann mit der Spitzen-Idee, nach mehreren Bierchen noch eine fünfte Runde Tequila zu trinken. Wir (also du und ich) waren zusammen mit Ina, Paul und Simon in dieser Bar. Du weißt wahrscheinlich besser als ich, wie sie heißt. Mit denen ist echt jeder Abend schön. Oh Mann, ich liebe sie so! Liebeliebeliebe! Das sind richtig tolle, wertvolle Menschen. Warum schreibe ich nochmal diesen Brief gerade, was wollte ich? Ach ja genau, mich entschuldigen.

Auf jeden Fall haben wir noch ‘ne Runde Schnaps getrunken (ich möchte mich auch schon mal für den Kater entschuldigen; tut mir leid, dass du leiden musst), als ich den Einfall hatte, auf dem Tisch zu tanzen und Salma Hayek zu channeln. Zu diesem geilen Song – du weißt schon, der mit dem „mmmh jähjäh tschackbumm“. 

Und ich bleibe dabei, es war fantastisch! Ich sah umwerfend aus, verrucht, verwegen, meine Moves haben die Menge begeistert und ich kann übrigens DOCH twerken. Gut, eventuell ist der Tisch ein klein wenig zusammen gebrochen und ich plumpste etwas ungünstig auf die Stuhlkante. Mach' dir keine Sorgen, natürlich bin ich sofort souverän wieder aufgesprungen und habe verkündet: „Es geht mir gut! Es geht mir GUT!“ Die blauen Flecken an deinem Hintern könnten also davon kommen. 

Ganz eventuell wurden wir dann aus der Bar geschmissen. Ich hätte mich ja direkt bei Paul für das Hausverbot in seiner Lieblingsbar entschuldigt, aber ich dachte mir: Darum kannst du dich ja kümmern. Du kannst das eh viel besser als ich.

Wir unterstützen jetzt übrigens auch offiziell das Thema Freiheit für die Brüste. Also ganz im Ernst jetzt. Ich habe letzte Nacht ein unmissverständliches Zeichen gesetzt. Eventuell haben dabei einige Menschen auf der Straße unsere Brüste gesehen. Und fotografiert. Und gefilmt. Aber ich finde halt, das ist ein wichtiges Thema. Von wegen Nippelzensur und so. Und BHs sind doch scheiße.

Ach so: Falls du dich fragst, warum ein gewisser „Steffen“ dir obskure Nachrichten schreibt und fragt, ob du wieder dein Hamsterkostüm und Lederleggins trägst, wundere dich nicht. Ich habe ihm erzählt, das sei genau dein Fetisch. Und das tut mir nicht leid. Sei halt nicht immer so langweilig.

Was mir aber über alle Maßen leid tut, ist das Brandloch in deiner Lieblingsbluse. Aber wisse: Er war Teil eines physikalischen Experiments, das absolut notwendig war. Ich weiß nicht mehr, worum es ging. Aber es war ausschlaggebend für die Beweisführung in meiner Sache. Sorry!

Es tut mir auch leid, dass der Teppich jetzt voller Erde ist. Aber du musst verstehen: Es war wichtig, diesen kleinen Baum auszugraben und ihn hier her zu bringen. Sie hätten ihn sonst Montag ausgerissen und dann wäre er gestorben. Das hättest du doch auch nicht zugelassen, oder? Es ist alles so traurig. Am Besten suchst du ihm ein neues Zuhause, wo er mehr wertgeschätzt wird.

Den Döner auf dem Kopfkissen besser wegwerfen, war unlecker. Und über die Klobrille möchte ich nicht sprechen. Niemals.

Wir hatten auf jeden Fall eine spektakuläre Nacht und ich hoffe, du verzeihst mir. Ich finde dich nämlich meistens ganz okay.

Grüße und Küsse

Dein betrunkenes Ich von gestern Nacht

P.S.: Danke für den Kuchen im Kühlschrank. War der für etwas Besonderes? Sah so festlich aus.

P.P.S.: Geh' auf Facebook. Lösche alles. Sofort.

Schicke diesen Entschuldigungs-Brief an dein nüchternes Ich!

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Titelbild via fotolia.com

Dieser Artikel ist Teil unseres Ressorts Feeling, in dem sich alles um Liebe, Gefühle, Freundschaft und Sex dreht. So wie in diesen Artikeln: