Darum solltest du als Frau alleine backpacken

„Alleine reisen? Ist das nicht saugefährlich?“ Diese Frage habe ich vor meiner Weltreise ständig gehört. Und danach auch – obwohl ich längst wohlbehalten zurückgekehrt war. Als wäre es das Verrückteste überhaupt, allein zu verreisen. Und dann auch noch als Frau!

„Ja, das ist sogar ziemlich sicher gefährlich. Aber das ganze Leben ist gefährlich und endet oft sogar mit dem Tod!“, lautet meine Standardantwort. Aber mal ernsthaft. Alleine reisen – insbesondere Backpacken – ist das Beste, was du tun kannst. Nicht nur, aber auch als Frau. 

Warum du alleine backpacken solltest:

  1. Du lernst, in deine eigene Stärke zu vertrauen und dass du viel mehr schaffst, als du vielleicht annehmen würdest.
  2. Du lernst, mit dir selbst zurecht zu kommen und Alleinsein zu können und dass Nicht-Abhängigsein keine Angst macht.
  3. Du lernst, mit viel weniger auszukommen, als du je geahnt hättest. Und ich meine nicht nur Klamotten.
  4. Du triffst in Hostels Menschen aus der ganzen Welt und findest vielleicht sogar Freunde fürs Leben.
  5. Du kommst endlich dazu, Dinge zu tun, für die du nie die Zeit hattest. Zum Beispiel schreiben. Oder fotografieren. Oder Tango tanzen!
  6. Du lernst, auf dich aufzupassen, mutig zu sein und Verantwortung für dich selbst zu übernehmen.

Es gibt aber natürlich auch ein paar Sicherheitsregeln:

  • Information
  • Menschenverstand
  • Bauchgefühl
  • Glück

Informiere dich

Bevor ich einen Ort bereise, lese ich. Das Auswärtige Amt hat aktuelle Sicherheitsinformationen, die einen Überblick darüber geben, was du tun und lieber lassen solltest. Vor Ort frage ich auch immer die Menschen, die dort leben, nach ihrer persönlichen Einschätzung. Sie kennen sich am Besten aus.

Benutze dein Gehirn

Außerdem benehme ich mich nicht wie eine Vollidiotin. Also, meistens. Ich renne nicht rotzevoll und schmuckbehängt wie ein Weihnachtsbaum mit einem iPhone wedelnd durch das Amüsierviertel Rios. Ich mäandere nicht nach Einbruch der Dunkelheit allein durch die Straßen Kapstadts. Die dem zugrunde liegenden Probleme und Ungerechtigkeiten kann und muss man auch diskutieren – allerdings an anderer Stelle.

Höre auf dein Bauchgefühl

Wenn ich ein ungutes Gefühl habe, höre ich darauf – uneingeschränkt. Einmal war ich mit einer Gruppe in Rio unterwegs und ging vorneweg. Wir kamen an eine Kreuzung, plötzlich wurde mir flau im Bauch. Ich entschied mich für einen Umweg und kommunizierte das auch: „Leute, es klingt bescheuert, aber bei dem Weg da vorn ist mir nicht wohl.“ Gilt auch für Menschen. Was oder wer sich nicht zu 100 Prozent gut anfühlt, ist es vermutlich auch nicht.

Vertraue auf dein Glück

Letztlich hatte ich bisher auch viel Glück, für das ich sehr, sehr dankbar bin. Oder wie es die amerikanische Autorin Kristin Newman, die u.a. schon allein nach Südamerika, Israel und Island gereist ist, in diesem Artikel formuliert:

„I feel so safe everywhere I go now because I trust my instincts and because I think being able to maneuver all those places is such a powerful thing to give yourself as a woman.“

Die zweite Frage lautet übrigens oft: „Und, ist das denn gar nicht langweilig so alleine?“

Die Antwort lautet: nope. Ich kann inzwischen ganz wunderbar mit mir allein sein. Pizza oder Sushi, bleiben oder weiter, Ausflug oder Strand – ich will mich nicht absprechen, ich will spontan entscheiden können. Ich möchte neue Freundschaften schließen oder mich einigeln, wie es mir beliebt. Andere Menschen – Mitreisende – würden meine Freiheit und mein Erleben einschränken. Ich kann mir ehrlich gesagt schwer vorstellen, je wieder in Begleitung zu reisen.

Und vielleicht ist DAS das Gefährliche am Alleinreisen.

[Dieser Text erschien im April 2015 in etwas anderer Form zuerst auf Jessicas Blog.]

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Titelbild via Stocksnap

Dieser Artikel ist Teil unseres Ressorts Feeling, in dem sich alles um Liebe, Gefühle, Freundschaft und Sex dreht. So wie in diesen Artikeln: