So entkräftest du Vorurteile über Flüchtlingskriminalität

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Kati Kürsch

Irgendwann läuft die Diskussion über ein Thema schon so lange, dass du dich nicht mehr nachzufragen traust, was Begriff x eigentlich bedeutet oder was genau der Auslöser war und warum wir nicht einfach y machen. 

Doch fürchte dich nicht: Wir erklären es dir.

Teil 2: Sind Flüchtlinge und Asylbewerber wirklich krimineller als deutsche Staatsbürger?

„Die sind doch alle kriminell!“ ist eines der häufigsten Argumente gegen die Aufnahme von Flüchtlingen und Asylbewerbern. 

Aber in der Diskussion werden viele Themen vermischt: Das immer wieder aus der Mottenkiste geholte Problem der Ausländerkriminalität, tatsächliche Integrationsschwierigkeiten und natürlich auch schlichte Vorurteile gegenüber Nichtdeutschen.

Konflikte in Unterkünften

Zur Zeit gibt es noch keine verlässlichen Zahlen zu von Asylbewerbern verübten Straftaten, jedoch berichten alle größeren Zeitungen und die Öffentlich-Rechtlichen, dass in erster Linie Gewalt von Flüchtlingen an Flüchtlingen ausgeübt wird.

Dazu trägt die Lage in den Unterkünften bei: Sie sind überfüllt und das führt zu Konflikten, die schnell eskalieren können. Allein gereiste Frauen und Kinder werden zudem oft nicht separat untergebracht, weshalb diese Gruppen ein höheres Risiko haben, Opfer von (insbesondere Sexual-)Delikten zu werden.

Aber: Straftaten in den Unterkünften könnten verringert werden, indem die Bedingungen in den entsprechenden Einrichtungen verbessert werden. Doch die Umsetzung ist wegen der Dringlichkeit, bürokratischer Hürden und dem bestehenden Mangel an Unterkünften schwierig.

Aussagekraft der Polizeilichen Kriminalstatistik

Auch wenn's wehtut, sich das eingestehen zu müssen: Statistiken geben nicht immer die Wirklichkeit wider; die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) ist da keine Ausnahme.

Zunächst einmal werden viele Straftaten nicht erfasst. Die PKS sagt nur etwas über das so genannte „Hellfeld“ aus: Eine Straftat gilt als aufgeklärt, wenn es einen Tatverdächtigen gibt – ob sich dieser Verdacht bestätigt, ist eine andere Frage. Über die gibt die Statistik jedoch keine Auskunft.

Soll heißen: Man kann als Krimineller in der PKS stehen, obwohl man zu Unrecht verdächtigt wurde. Die PKS ist ein guter Ausgangspunkt für Fragen zur Kriminalität in einer Gesellschaft, aber man sollte sie nicht für Die Wahrheit™ halten.

Nichtdeutsche in der PKS

Mit dem Wissen aus dem letzten Absatz können wir uns die PKS mal anschauen. Einen Großteil der der von Nichtdeutschen verübten Straftaten machen ausländerspezifische Delikte aus. Das bedeutet: Bei Verstößen gegen das Asylverfahrens-, das Aufenthalts- oder das Freizügigkeitsgesetz stellten Ausländer 2014 – Überraschung! – 99,1% der Tatverdächtigen. Logisch, für jemanden mit deutscher Staatsbürgerschaft ist es knifflig, sich unerlaubt in Deutschland aufzuhalten.

Außerdem zählen auch Touristen, Pendler und Durchreisende als nichtdeutsche Tatverdächtige. Die wiederum gehören nicht zur Wohnbevölkerung, was jedoch in der Diskussion um kriminelle Ausländer, die sich einfach nicht integrieren wollen, nie beachtet wird. 

Und die andere Seite?

Statistisch eindeutiger ist die Lage bei Straftaten gegenüber Asylbewerbern bzw. für sie gedachte Einrichtungen: Es werden immer mehr. Bis Mitte Oktober 2015 wurden knapp 500 Übergriffe auf Asylbewerber und ihre Unterkünfte registriert.

Die Stimmung gegen Flüchtlinge wird unter anderem durch in sozialen Netzwerken verbreitete Gerüchte angeheizt. Auch die Polizei kommt nicht ungeschoren davon; ihr wird zum Beispiel von „Lügenpresse!“-Rufern vorgeworfen, nicht ausreichend zu ermitteln oder Delikte zu vertuschen.

Klar ist bloß eins: Die bisherigen Debatten um Ausländerkriminalität lassen nicht darauf hoffen, dass dieses Thema in Zukunft sachlich diskutiert wird und ohne fremdenfeindliche Klischees auskommt. 

Hilf mit, die Debatte zu zu führen!

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Titelbild via pixabay.com

Dieser Artikel ist Teil unseres Ressorts Caring, in dem es um Dinge geht, die unsere Welt besser machen: Konsum, Umweltschutz, Gerechtigkeit, Gesellschaft. So wie in diesen Artikeln: